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Auswirkungen einer pränatalen Zika-Virus Infektion

Der kausale Zusammenhang zwischen dem Auftreten der Mikrozephalie des Fötus und einer vorherigen Zika-Virus Infektion der schwangeren Mutter gilt seit April 2016 als bewiesen (siehe hier).

Nun haben brasilianische und US-amerikanische Wissenschaftler die Auswirkungen einer Zika-Virus (ZIKV) Infektion der Mutter auf Föten, Neugeborene, Säuglinge  und Kleinkinder untersucht. In der Studie vom 15. Dezember 2016 im New England Journal of Medicine wurden insgesamt 186 Frauen während ihrer Schwangerschaft und ihre Kinder nach der Geburt untersucht (siehe hier). Von den 186 Frauen waren nachweislich (RT-PCR) 125 Frauen mit dem Zika-Virus infiziert. Sie infizierten sich zu verschiedenen Zeitpunkten ihrer Schwangerschaft (pränatale ZIKV-Infektion).

Kinder ZIKV-infizierter Mütter haben häufig neurologische Auffälligkeiten und fötale Wachstumsretardierung

In der vorliegenden Studie von Brasil et al. wurden Föten bereits während der Schwangerschaft per Ultraschall untersucht. Während es keinen Unterschied bei den Fehlgeburten (7%) zwischen den beiden Gruppen gab, wurden bei den Säuglingen mit pränataler ZIKV-Infektion der Mutter deutlich mehr klinische Komplikationen beobachtet (46% vs. 11.5%, P<0.001). 42% der geborenen Kleinkinder mit pränataler ZIKV-Infektion zeigten neurologische und/oder andere klinische Auffälligkeiten.

Unter Anderem zeigten sich bei den geborenen Kleinkindern pränataler ZIKV-Infektion folgende klinische Auffälligkeiten:

  • zerebrale Kalzifizierung (Gehirnverkalkung)
  • fötale Wachstumsretardierung (pathologische Wachstumsverzögerung des Fetus)
  • visuelle Defizite (Augen)
  • Hördefizite
  • Krampfanfälligkeit
  • Hypertonie (Bluthochdruck)
  • Spastizität
  • Hyperreflexie (gesteigerte Reflexe)
  • Kontrakturen (Schrumpfung von Muskeln, Sehen und/oder Bändern)
  • Dysphagie (Schluckstörung)
  • Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme

Zudem hatten vier (4) Neugeborene mit pränataler ZIKV-Infektion (3,4%) eine Mikrozephalie.

Es ist wichtig zu erwähnen, dass zerebrale Kalzifizierung (Gehirnverkalkung) und fötale Wachstumsretardierung (Wachstumsverzögerung) bei Föten mit pränataler ZIKV-Infektion deutlich häufiger vorkamen als die Mikrozephalie. 3 der 4 Kinder mit Mikrozephalie hatten zusätzlich eine fötale Wachstumsretardierung.  

Auch späte pränatale ZIKV-Infektionen führen zu klinischen Auffälligkeiten

Bei einer pränatalen Rötelninfektion und anderen Infektionen kommt es vor allem während der ersten 16 Wochen (1.Trimester) der Schwangerschaft zu klinischen Auffälligkeiten und Schwangerschaftsabbrüchen. Ungewöhnlich ist, dass bei der pränatalen ZIKV-Infektion klinische Auffälligkeiten unabhängig davon Auftraten im welchem Trimester es zur ZIKV-Infektion der Mutter kam:

  • 55% klinische Auffälligkeiten nach Infektion im 1. Trimester
  • 52% klinische Auffälligkeiten nach Infektion im Trimester und
  • 29% klinische Auffälligkeiten nach Infektion im Trimester

Erfolgte die Infektion der Mutter mit dem Zika-Virus im 1.Trimester kam es, analog zur Rötelninfektion, zu pathologischen Veränderungen während der Embryogenese. Allerdings zeigten sich auch neurologische Auffälligkeiten in Föten von Müttern die sich bis einschließlich der 39. Schwangerschaftswoche, also kurz vor der Geburt, mit dem Zika-Virus infizierten.

Zusätzliche und schwere klinische Manifestationen der pränatalen ZIKV-Infektion im Kindesalter zu erwarten

Die Autoren der Studie weisen darauf hin, dass bisher lediglich junge Kleinkinder (2-6 Jahre) mit pränataler ZIKV-Infektion untersucht wurden. Erst die folgenden Jahre werden Aufschluss darüber geben inwieweit es zu weiteren klinischen Manifestationen der pränatalen ZIKV-Infektion im späteren Kindesalter kommen wird. Die Autoren nehmen an das zukünftig klinische Manifestationen neurologischer Erkrankungen im Kindesalter bei Kindern mit pränataler ZIKV-Infektion auftreten werden. Dies könnte auch bei älteren Säuglingen der Fall sein, die bisher unauffällig waren.

Das Auftreten neurologischer Spätmanifestationen ist zwar nicht absehbar, aber wahrscheinlich. Deshalb werden alle Kinder der Studie weiter beobachtet. Es ist deshalb mit einer Folgestudie an Kleinkindern und Kindern in einigen Jahren zu rechnen.

Zusammenfassung

  • 42% der geborenen Kleinkinder mit pränataler ZIKV-Infektion zeigen neurologische oder andere klinische Auffälligkeiten
  • Es zeigen sich häufig zerebrale Kalzifizierung (Gehirnverkalkung) und fötale Wachstumsretardierung (Wachstumsverzögerung)
  • 4 Neugeborene (3,4%) hatten eine Mikrozephalie
  • 3 der 4 Kinder mit Mikrozephalie hatten zusätzlich eine fötale Wachstumsretardierung
  • Weitere neurologische Auffälligkeiten sind unter Anderem: Visuelle Defizite (Augen), Hördefizite, Hyperreflexie (gesteigerte Reflexe) und Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme
  • Klinischen Auffälligkeiten der Kinder mit pränataler ZIKV-Infektion der Mutter treten bis einschließlich der 39. Schwangerschaftswoche auf
  • Das Auftreten neurologischer Spätmanifestationen, auch bei asymptomatischen Kindern, ist anzunehmen. Ein Abwarten der Folgestudie ist notwendig!

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