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Lebensmittel – Studien zu Krebs

Obst und Gemüse in epidemiologischen Studien

Epidemiologische Studien weisen auf einen starken Zusammenhang zwischen Ernährung und der Entstehung von Krebs hin1, 2. Man nimmt an, dass 30% aller Krebserkrankungen ernährungsbedingt entstehen3. Der Anteil von krebsbedingten Todesfällen die ernährungsbedingt sind könnte sogar bis zu 90% betragen3. Weltweit ist die Häufigkeit von Krebserkrankungen sehr unterschiedlich. Während in Osteuropa 300-400 von 100.000 Menschen an Krebs erkranken sind es in einigen Ländern Südostasiens lediglich 100 Menschen3. Auch die Verteilung der Krebserkrankungen ist weltweit sehr unterschiedlich. So erkranken in den USA 100 von 100.000 Frauen an Brustkrebs, während in Thailand lediglich 8 von 100.000 Frauen an Brustkrebs erkranken3.

Studien an Auswandern haben gezeigt, dass dabei nicht die genetische Veranlagung sondern der Lebensstil die entscheidende Rolle spielt. Japaner erkranken sehr selten an Prostatakrebs (14 von 100.000 Männern). Ausgewanderte Japaner in Hawaii erkranken zehn mal häufiger an Prostatakrebs (154 von 1000.000 Männern). Umgekehrt erkranken Japaner relativ häufig an Magenkrebs (1311 von 1000.000), wohingegen ausgewanderte Japaner in Hawaii nur etwas häufiger an Magenkrebs erkranken als die einheimische Hawaiianische Bevölkerung 397 vs. 217 von 1000.000)3.

Das American Institute for Cancer Research (AICR) veröffentlicht regelmäßig Metastudien zu Ernährung und Lebensmitteln und dem Zusammenhang mit Krebserkrankungen. In einer weltweiten Analyse aus dem Jahr 2007 wurde berichtet, dass eine Vielzahl von pflanzlichen Produkten höchstwahrscheinlich das Krebsrisiko reduzieren. Hierzu gehören Gemüse der Allium- Familie (Knoblauch, Schalotten, Zwiebeln, Lauch), verschiedene Früchte, und pflanzliche Produkte die Folat, Carotinoide, b-Carotin, Vitamin C und Selen enthalten2. Schon im Jahr 1997 wurde in einer ähnlichen Analyse berichtet, dass ein ausreichender Verzehr von Gemüse und Obst das allgemeine Krebsrisiko um 59%, respektive 36% senkt1. Besonders potent scheinen in diesem Zusammenhang Kohl, Karotten, Tomaten und Zitrusfrüchte zu sein (Risikoreduktion 38%, 59%, 36% und 27%) zu sein1.

Meiner Meinung nach wird das Potential von Lebensmitteln zur Unterstützung der onkologischen Therapien enorm unterschätzt. In der westlichen Welt wird generell deutlich weniger Obst und Gemüse konsumiert. Die Tatsache, dass in der westlichen Welt bestimmte Krebsarten (Darm, Brust, Prostata) viel häufiger auftreten als in asiatischen Ländern, könnte direkt mit dem (geringeren) Konsum von Obst und Gemüse zusammenhängen. Bei der Entwicklung von Darmkrebs spielt zudem Übergewicht eine entscheidende Rolle, ähnlich wie beim Typ-II-Diabetes und Herz- und Gefäßerkrankungen.

Wirkung sekundärer Pflanzenstoffe auf Krebszellen

Pflanzliche Lebensmittel enthalten eine Vielzahl von Substanzen, die nicht in die klassischen Nährstoffkategorien fallen. Man nimmt an, dass es mehr als 100.000 verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe gibt, zu ihnen zählen Salicylate, Phytosterole, Saponine, Glucosinolate, Polyphenole, Phytoöstrogene, Terpene und Lektine2. Tatsächlich scheint die Schutzwirkung von Obst und Gemüse gegen Krebs vor allem auf ihren Gehalt an sekundären Pflanzeninhaltsstoffen zurückzuführen sein und weniger auf einzelne Mikronährstoffe3. Das ist wahrscheinlich der Hauptgrund, weshalb Vitaminpräparate allein selten einen zusätzlichen Schutz gegen chronische Erkrankungen bieten.

Die Identifikation von Krebshemmenden Substanzen in pflanzlichen Nahrungsmitteln ist ein relativ junges Forschungsfeld. Es gibt Untersuchungen an Krebszelllinien, in Petrischalen und in Tierversuchen. Viele dieser Untersuchungen haben klare Auswirkungen von einigen sekundären Pflanzenstoffen auf das Wachstum und die Ausbreitung (Metastasierung) von Krebszellen gezeigt. Zur Beantwortung der Frage ob diese Substanzen im menschlichen Körper analog wirken müssen klinische Studien am Menschen folgen. Ein wertvolle Literaturquelle bezüglich der Mechanismen bestimmter sekundärer Pflanzenstoffe auf Krebszellen findet sich in dem Buch “Krebszellen mögen keine Himbeeren” aus dem Jahr 20053. Hier wird ausführlich erklärt auf welche Art und Weise bestimmte sekundäre Pflanzenstoffe als krebshemmende Wirkstoffe wirken3.

Klinische Studien zu Lebensmitteln

David Servan-Schreiber formuliert es in seinem Buch mit dem Titel die Anti-Krebs Diät folgendermaßen: “Die Überprüfung eines Antikrebs-Mittels bis zum Stadium der Erprobung ..kostet zwischen 500 Millionen und einer Milliarde Dollar.” Und weiter: “..Es [ist] absolut unmöglich vergleichbare Summen zu investieren, um die Nützlichkeit von Brokkoli, Himbeeren oder grünem Tee nachzuweisen, weil es darauf keine Patente gibt und ihre Kommerzialisierung die Einnahmen niemals einspielen kann.” Mittlerweile – keine 10 Jahre später – kostet die Erprobung von Medikamenten sogar eher 2 Milliarden Euro.

Es ist deshalb klar, dass es für die Wirksamkeit von Lebensmitteln niemals so detaillierte Studien an Menschen geben wird wie für pharmazeutische Produkte, einfach deshalb weil sie nicht patentierbar sind. Zudem enthalten Lebensmittel mit potentieller Wirksamkeit meist eine Vielzahl unterschiedlicher Substanzen die pharmakologisch wirksam sein könnten. Das macht ihre Untersuchung deutlich kostspieliger.

Ein Beispiel für solch ein nützliches Lebensmittel ist Olivenöl. Es ist zentraler Bestandteil der Mittelmeerdiät, die nachweislich zu einer Reduktion von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und zu einer höheren Lebenserwartung führt. Niemand kann genau sagen an welchen Substanzen es genau liegt, dass die Mittelmeerdiät so gesund ist. Olivenöl ist reich an einfach ungesättigten Fettsäuren und enthält eine Vielzahl von Antioxidantien4. Es hat nachweislich eine protektive Wirkung gegen Brust-, Darm- und Gebärmutterhalskrebs5-7. Ob es nun an einer einzigen Substanz (Fettsäuren), an mehreren Substanzen (Antioxidantien, sekundäre Pflanzenstoffe) oder ihrer synergistischen Wirkung liegt, Olivenöl ist gesund!

Die Ergebnisse von Untersuchungen bezüglich der krebshemmenden Wirkung bestimmter Lebensmittel sind sehr vielversprechend. Sie deuten darauf hin, dass Gemüse wie Kohl, Knoblauch, Soja, Tomate, rote Beete, Obst wie Himbeeren, Erdbeeren, Weintrauben, Zitrusfrüchte, das Gewürz Kurkuma und Grüner Tee eine Vielzahl unterschiedlicher sekundärer Pflanzenstoffe enthalten, die in der Lage sind die Entstehung von Krebs zu verhindern3. So senkt z.B. der Verzehr von einem Glas Rotwein täglich eine das Gesamtrisiko an Krebs zu erkranken um bis zu 40%, während der regelmäßige Konsum von Sojaprodukten das Brustkrebsrisiko um bis zu 50% senken kann3.

Noch bevor diese Wirkungen bewiesen sind kann man – ohne Risiko – mehr von diesen vielversprechenden Lebensmitteln konsumieren und so das eigene Krebsrisiko senken oder eventuell die eigene Heilung positiv beeinflussen. Die meisten pflanzlichen Lebensmittel sind nicht annähernd so giftig wie die harmlosesten Medikamente und das Fehlen klinischer Studien am Menschen sagt nichts über die tatsächliche Wirkung, der in einem Lebensmittel enthaltenen Substanzen, aus.

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Literatur

  1. Glade, M. J. Food, nutrition, and the prevention of cancer: a global perspective. American Institute for Cancer Research/World Cancer Research Fund, American Institute for Cancer Research, 1997. Nutrition 15, 523-6 (1999).
  2. Research., W. C. R. F. A. I. f. C. Food, Nutrition, Physical Activity, and the Prevention of Cancer: a Global Perspective. (ed. AICR) (Washington DC, 2007).
  3. Béliveau, R. & Gingras, D. Krebszellen mögen keine Himbeeren (ed. GmbH, R. H.) (Wilhelm Goldmann Verlag, München, 2010).
  4. Owen, R. W. et al. Olives and olive oil in cancer prevention. Eur J Cancer Prev 13, 319-26 (2004).
  5. Martin-Moreno, J. M. et al. Dietary fat, olive oil intake and breast cancer risk. Int J Cancer 58, 774-80 (1994).
  6. Stoneham, M., Goldacre, M., Seagroatt, V. & Gill, L. Olive oil, diet and colorectal cancer: an ecological study and a hypothesis. J Epidemiol Community Health 54, 756-60 (2000).
  7. Lipworth, L., Martinez, M. E., Angell, J., Hsieh, C. C. & Trichopoulos, D. Olive oil and human cancer: an assessment of the evidence. Prev Med 26, 181-90 (1997).