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Referenzbereiche in der Labordiagnostik

Referenzbereiche

Geht es um die optimale Versorgung mit Nährstoffen und die Definition von Mangelzuständen müssen zunächst Werte (Referenzbereiche) festgelegt werden, die als normal gelten. Für den Begriff “Referenzwert” existieren synonyme Begriffe wie “Normwert”, “Normbereich” und “Referenzbereich”. Sinnvollerweise gibt es nicht einen einzelnen Referenzwert, sondern einen Schwankungsbereich, innerhalb dessen alle Werte als normal gelten. Dieser Schwankungsbereich wird alternativ als Norm-, Normal- oder auch Referenzbereich bezeichnet. Im Folgenden wird einheitlich der Begriff Referenzbereich verwendet.

Zusammenfassung

Die Einführung von Referenzbereichen in der Labordiagnostik ist ein Versuch einer Vereinheitlichung. Der Mangel an Selen und Vitamin D in der deutschen Bevölkerung wird durch den Referenzbereich übrigens unsichtbar, weil Referenzbereiche lediglich Durchschnittswerte der Gesamtbevölkerung sind. Man muss sich darüber im Klaren sein, dass es sich bei labordiagnostischen Referenzbereichen um Richtwerte handelt und es Unterschiede zwischen Laboren gibt. Eine absolute Vergleichbarkeit von Messwerten wird dadurch (leider) nicht erreicht. Der Referenzbereich dient nur zur Orientierung. Allerdings sollten ermittelte Messwerte in der Nähe dieses Rahmens liegen um noch als normal zu gelten. Nicht jeder Wert der leicht unter dem Referenzbereich liegt muss deshalb gleich einen Mangel bedeuten.

Referenzbereich in der Labordiagnostik

In der Labordiagnostik werden viele unterschiedliche Substanzen analytisch untersucht und jeweils ein Messwert angegeben. Damit man diesen Messwert einordnen kann braucht man Vergleichswerte. Hierzu nutzt man Messwerte aus einer genügend großen Gruppe “gesunder” Personen. Die Messewerte am oberen und unteren Ende (jeweils 2,5% aller Messwerte) des sogenannten Konfidenzintervalls fallen aus dem Referenzbereich heraus. Der Referenzbereich ergibt sich also aus den Messwerten, die bei 95 Prozent dieser Personen ermittelt werden.

Referenzbereiche in der Labordiagnostik sind Richtwerte

Referenzbereiche sind abhängig vom untersuchten Material und von der verwendeten Testmethode. Deshalb gibt es unterschiedliche Referenzbereiche in unterschiedlichen Labors. Als Beispiel sehen wir uns die labordiagnostische Untersuchung von Selen unabhängig von Alter und Geschlecht an. Im Urin liegt der Referenzbereich für Selen in Labor A bei 5 – 30 µg/l und in Labor B bei 10 – 50 µg/L, obwohl beide Labore dieselbe Methode (ICP-MS) verwenden. Selen im Blut in Labor A 16 -114 µg/l (Serum, Methode AAS) und in Labor B 60 – 130 µg/l (EDTA-Blut oder Heparin-Blut, Methode ICP-MS).

Aus diesen Beispielen wird deutlich, dass labordiagnostische Referenzwerte lediglich Richtwerte sind. Eine absolute Vergleichbarkeit zwischen Laboren ist (leider) nicht gegeben. Ein bekanntes Labor schreibt als Information zu seinen Referenzbereichen: “Die angegebenen Referenzbereiche sind ggf. von der verwendeten Untersuchungsmethode abhängig und können daher nur zur Orientierung dienen”. In der Infektionsserologie trifft der Begriff “Referenzbereich” im engeren Sinne übrigens nicht zu. Die angegebenen Werte dienen hier als Interpretationshilfe, ob spezifische Antikörper vorliegen oder nicht.

Unterschiedliche Einheiten

Wie sieht es beim Eisen aus? Labor A: 29-193 µg/dl, Labor B: 330 – 1930 µg/l. Nominell ein Unterschied um Faktor 10, aber 1 µg/dl entspricht 10 µg/l. Es sind nur unterschiedliche Einheiten angegeben. In diesem Fall unterscheiden sich die Referenzbereiche kaum, wenn man nicht über die unterschiedlichen Einheiten stolpern würde. In der Medizin galten über Jahrhunderte sehr unterschiedliche Normsysteme. Eigentlich sollten heutzutage Konzentrationen in mol/L oder g/L angegeben werden, die Einheiten Milliliter (ml) und Deziliter (dl) kommen noch aus alten Zeiten. Vor allem in wissenschaftlichen Artikeln werden heutzutage nur noch diese (Standard-)Einheiten verwendet, im Krankenhausalltag oder in der Laborpraxis verwenden manche aber noch die “alten” Einheiten. Das macht die Vergleichbarkeit von Referenzwerten unnötig schwer.

Referenzbereiche versagen bei genereller Unterversorgung

Schon heute wird vermutet, dass die Empfehlungen zur Aufnahme einiger Mikronährstoffe, Spurenelemente und Vitamine zu gering angesetzt sind. In Deutschland besteht wahrscheinlich ein weit verbreiteter Mangel an Selen und Vitamin D, obwohl die Referenzbereiche das nicht anzeigen. Referenzbereiche Sie sind lediglich Durchschnittswerte der Gesamtbevölkerung und wenn ein genereller Mangel in der Bevölkerung besteht ist der Referenzbereich generell zu gering, so dass ein individueller Mangel gar nicht auffallen kann.

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Motto: Medizin ist immer dann am erfolgreichsten, wenn sie den Menschen in seiner Gesamtheit begreift.

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